Das mystische Gebet

Das mystische Gebet nach Dionysius Areopagita, einem geistlichen Schriftsteller des 5./6. Jahrhunderts ist im Grunde nichts anderes als das Ruhegebet und das kosmische Gebet zusammen, die hier nicht mehr zu unterscheiden sind. Es zeigt, dass die letzte Wahrheit nicht durch Denken oder in Büchern vermittelt werden kann, sondern nur durch Erfahrung im Gehen eines geistigen Weges.

Ausgangspunkt ist unser tägliches Leben. Wir beginnen da, wo wir gerade stehen, auf der Grundlage unserer bisher gelebten Religiosität.
Unter Ausschaltung aller Sinnesfunktionen und allen Erkennens -  also im Nichtsehen und Nichterkennen – öffnet sich ein Weg, der alles Sehen und alle Erkenntnis übersteigt.
Im Verzicht auf alles, was ist, entwickelt sich im Betenden für die Zeit des Gebetes ein Zustand ruhevoller Wachheit. In der mystischen Versenkung begegnet Gott dem Betenden, der in diesen Bereich über allem Sein eingetreten ist.
Hier wird das Gebet zu einer unendlichen Feier des Schöpfers, zu einer Preisung des unerschaffenen Lichtes, das erschaffend stets im Unerschaffenen bleibt.

Das mystische Gebet hilft, in der Welt zu sein und sie zu bestehen. Es fördert und vergrößert die Nächstenliebe wie auch die Liebe zur gesamten Schöpfung.



aus: Peter Dyckhoff: Einfach beten, München 2001

Aller Anfang ist leicht

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Überwesentlich bist du, Gott,
überaus mehr als göttlich
und überaus mehr als gut.
Du bist die Weisheit, die alles Sein
und den ganzen Kosmos durchdringt.

Führe du uns tiefer in das Geheimnis
deiner Worte und der Heiligen Schriften.
Führe du uns die Wege,
die wir gehen müssen
und über alle irdischen Relationen hinaus.
Führe du uns nicht nur in die Sphären
jenseits von Licht und Dunkel,
sondern auch in die Bereiche, die alles
Nichtwissen übersteigen.
Führe und geleite du uns in das Mysterium
deiner Liebe,
dorthin, wo uns die einfachen, absoluten
und unwandelbaren Geheimnisse deines
göttlichen Wissens offenbar werden.
Führe du uns über alle menschlichen Worte
und alles Verstehen hinaus,
wo die Dunkelheit des Schweigens jenseits
des Lichtes die Wahrheit erhellt.
Du, o Gott, bist in überlichtem Dunkel
und geheimnisvoll verhülltem Schweigen
verborgen.
Und doch übertriffst du inmitten des
undurchdringlichen Dunkels
alles an Glanz, was höchste
Leuchtkraft besitzt.
Du bist es, der inmitten des gänzlich
Unbegreifbaren und Unsichtbaren
alle, die im Aufhören jeglicher Tätigkeit
durch Nichterkennen dich erkennen,
mit deiner überreichen göttlichen
Strahlkraft erfüllt.


aus: Peter Dyckhoff: Einfach beten, München 2001

 



Das mystische Gebet

bedarf

keiner Anstrengung.


Die Sehnsucht Gottes

ist es,

den Menschen

mit seiner liebenden

Fürsorge

zu beschenken.