Das kosmische Gebet

Der Begriff „kosmisches Gebet“ geht auf Origines (185 - 254) zurück.
Dabei geht es um eine Weitung des Horizonts: Die/der Betende erhält weiterführende Antworten auf tiefgreifende Fragen und erkennt, dass er als Teil der gesamten Schöpfung mit allem in Verbindung steht.

Im kosmischen Gebet bricht das Ruhegebet auf in ein Miteinander. Die Welt wird zum Du. Ich fühle mich mit vielen und vielem verbunden.
In dieser Weitung des Betens wächst das Gespür für meine Verbundenheit mit allem und die Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen und der ganzen Schöpfung.
Die Liebe zu mir selbst, zu anderen Menschen, zu den Tieren und zur gesamten Schöpfung wächst in einer solchen Weise, dass Verfehlungen, negative Eingriffe oder gar Zerstörungen unmöglich werden.

Das kosmische Gebet kann auch als „All-Umfassendes Gebet“ bezeichnet werden. Und gerade das ist das Umfassende und Kosmische: Das Gebet wird zum Leben und das Leben zum Gebet.

„Allezeit beten“

Um diese Nähe Gottes spüren zu dürfen, sollten wir das Gebet angemessen bereiten und unbelastet seine Gegenwart suchen:

  • Dies ist nur möglich, wenn wir vorher allen verzeihen, die uns Unrecht zugefügt haben, wenn wir im Alltag aufgestaute Gefühle oder Anspannungen abgebaut und dunkle Gedanken anderen Menschen gegenüber aufgelöst haben. Äußerlichkeiten haben keine Bedeutung mehr.
  • Alle Gedankenaktivität, die nicht mit dem Gebet in Verbindung steht, sollte zur Ruhe kommen, damit der Geist nicht immer wieder aufs Neue durch fremde Gedanken beunruhigt wird. Aus diesem Zustand tiefer innerer Ruhe schenkt sich uns ein unbeschreibliches Gefühl von Zufriedenheit.
Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten …“ (Lk 18, 1). Allezeit beten – damit ist nicht gemeint, dass man fortwährend Gebete vor sich her sagen soll. Die Vorbereitung zum Gebet, das rechte Beten und die Auswirkungen des Gebetes im Alltag nehmen einen immer höheren Stellenwert ein, bis sowohl das Gebet als auch das Leben zu einer beständigen christlichen Existenz werden. Die innere Gesinnung und das äußere Tun bilden allmählich eine Einheit, sodass zwischen dem Ablauf des täglichen Lebens und dem Gebet kein Unterschied mehr besteht.
Das gerade ist das Umfassende und Kosmische: Das Gebet wird zum Leben und das Leben zum Gebet.

(Quelle: Peter Dyckhoff: Einfach beten; München 2001)

 

Das Gebet

wird

zum Leben

und

das Leben

zum Gebet